Eine durch medizinischen Klebstoff verursachte Hautschädigung wird MARSI (Medical Adhesive-Related Skin Injury) genannt. Es ist ein häufig übersehenes Problem, das zu Schmerzen, verzögerter Wundheilung, Infektionen und erhöhten Gesundheitskosten führen kann.1,3,6,7 Obwohl MARSI oft nicht ausreichend erkannt werden,1 sind sie vermeidbar, wenn vorbeugende Maßnahmen ergriffen werden.1 Durch das Verständnis, welche Patientengruppen gefährdet sind, und die Umsetzung von Best-Practice-Empfehlungen können medizinische Fachkräfte proaktiv dazu beitragen, die Hautintegrität zu schützen und die Patienten- sowie klinischen Ergebnisse zu verbessern.
Was ist MARSI und welche Arten von Hautschäden kann es verursachen?
MARSI bezeichnet jede Art von Hautschädigung, die im Zusammenhang mit der Anwendung medizinischer Klebeprodukte oder –geräte entsteht, wie z.B. Fixierpflaster, Wundverbände, Stomaprodukte, Elektroden, Medikamentenpflaster und Wundverschlussstreifen.¹ Ein MARSI führt stets zu einem Verlust der Hautintegrität.² Wird unsere Haut geschädigt, ist ihre Schutzfunktion beeinträchtigt, und unser Körper ist nicht mehr ausreichend geschützt.
Hautschäden durch medizinische Klebstoffe führen zu verschiedenen Formen von MARSI. Dazu gehören:
Skin Stripping
Ein Ablösen der Haut tritt auf, wenn die Haftung zwischen der Haut und dem medizinischen Klebstoff stärker ist als die Haftung zwischen den Hautzellen.1,3
Skin Tears
Skin Tears sind Hauteinrisse, „die durch mechanische Einwirkungen, einschließlich des Entfernens von Klebstoffen, verursacht werden. Der Schweregrad kann je nach Tiefe variieren (sie reichen nicht bis in die Unterhautschicht hinein)“.4
Spannungsblasen
Spannungsblasen oder -verletzungen entstehen durch die Dehnung der Haut unter einem Klebstoff, der nicht nachgibt.1,3
Dermatitis
Dermatitis wird durch eine Entzündung verursacht, die durch einen Reizstoff im Klebstoff verursacht werden kann.3,5
Mazeration
Von Mazeration spricht man, wenn die Haut durch Feuchtigkeit, die sich unter dem Klebstoff ansammelt, aufweicht.1,5
Follikulitis
Eine Follikulitis ist eine Entzündung des Haarfollikels, die durch eine Ansammlung von Feuchtigkeit und Wärme unter dem Klebstoff verursacht werden kann, wodurch sich Bakterien vermehren.1,5
Wer hat ein Risiko für MARSI? Intrinsische und extrinsische Faktoren im Überblick
Grundsätzlich kann jede Person, bei der ein medizinisches Klebeprodukt angewendet wird, ein MARSI entwickeln. Das Risiko steigt mit der Häufigkeit der Anwendungen und Entfernungen.¹ Manche Menschen sind jedoch anfälliger für MARSI als andere.
Neben sehr jungen und sehr alten Patientengruppen⁵ lassen sich die Risikofaktoren für alle demografischen Gruppen in zwei Kategorien einteilen: intrinsische Faktoren, die patientenspezifisch sind, und extrinsische Faktoren, die von äußeren Einflüssen wie der Umgebung oder Behandlung abhängen.⁵
Patientenspezifische Risikofaktoren (intrinsisch)
- Intensiv- oder postoperative Patient*innen, die häufige Gerätewechsel benötigen
- Mangelernährung und Dehydrierung
- Diabetes
- Dermatitis
- Altern
Äußere Risikofaktoren (extrinsisch):
- Entfernen von Verbänden und wiederholtes Fixieren
- Bestimmte Medikamente (z. B. entzündungshemmende Mittel, Antikoagulanzien, langfristige Einnahme von Kortikosteroiden)
- Längerer Kontakt mit Feuchtigkeit
- Strahlentherapie und lichtbedingte Hautschäden
Welche Patientengruppen sind besonders anfällig für MARSI?
Einige Patient*innen sind besonders gefährdet, ein MARSI zu entwickeln. Am höchsten ist das Risiko bei Personen mit fragiler oder empfindlicher Haut,3,6 darunter:
- Ältere Patient*innen
- Neugeborene und Kleinkinder
- Patient*innen mit Hauterkrankungen, Ödemen oder Begleiterkrankungen (z. B. Herzinsuffizienz, Diabetes)
Die Auswirkungen von MARSI: Wohlbefinden der Patient*innen und Gesundheitskosten
Ein MARSI kann schwerwiegende Folgen haben, nicht nur für die betroffenen Personen, sondern auch für das Gesundheitssystem insgesamt.
Auswirkungen auf die Lebensqualität1,3 darunter:
- Beeinträchtigte Hautbarriere und verzögerte Wundheilung1
- Verstärkte Schmerzen und erhöhtes Risiko für weitere Komplikationen1,3
- Beeinträchtigung des Wohlbefindens und der Zufriedenheit mit der Behandlung3
- Mehr Arzt- und Behandlungstermine3
Steigende Belastungen und Behandlungskosten für das Gesundheitssystem1,3,6 darunter:
- Verlängerte Krankenhausaufenthalte1,3
- Eine Umfrage7 zeigt, dass 7,1 % der mit medizinischem Fixierpflaster behandelten Patient*innen MARSI entwickeln.
- Eine systematische Übersicht hat gezeigt, dass Prävalenz und Inzidenz je nach Pflegeeinrichtung zwischen 9,5%-42% variiert.8
Verringerung der Häufigkeit von MARSI durch Aufklärung und proaktive Maßnahmen
Aufklärung und Sensibilisierung sind die entscheidenden Erfolgsfaktoren für die Prävention von MARSI. Es ist wichtig, diese fünf Präventionsmaßnahmen zu kennen:
- Identifikation von Hochrisikopatient*innen1,8
- Individuell abgestimmte Hautpflege6,8
- Auswahl des geeigneten Klebstoffs 1,6,8
- Richtige Techniken zum Auftragen und Entfernen6,8
- Verwendung von schützenden Produkten und Klebstoffentfernern8
Schulungen können eine einheitliche Versorgung gewährleisten und Teams befähigen, fundierte Entscheidungen zum Schutz der Haut der Patient*innen zu treffen.
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Weiterlesen
Referenzen:
- Fumarola S et al. Overlooked and underestimated: medical adhesive-related skin injuries. Best practice consensus document on prevention. J Wound Care. 2020;29(3):1.
- Stephen-Haynes J & Carville K. Skin tears made easy. Wounds International. 2011;2(4):1-6.
- Downie F & Collier M. Medical adhesive related skin injury (MARSI): Wounds UK made easy. Wounds UK. 2021;17(1).
- Nokaneng E, et al. Best practice recommendations for the prevention and management of skin tears in aged skin. Wounds International. 2025. https://woundsinternational.com/consensus-documents/best-practice-recommendations-for-the-prevention-and-management-of-skin-tears-in-aged-skin-2nd-edition/
- McNichol L et al. Medical adhesives and patient safety: state of the science: consensus statements for the assessment, prevention, and treatment of adhesive-related skin injuries. J Wound Ostomy Continence Nurs. 2013;40(4):365-E2.
- LeBlanc K et al. Best practice recommendations for prevention and management of periwound skin complications. Wounds international. 2021.
- Maene B. Hidden costs of medical tape-induced skin injuries. Wounds UK. 2013;9(1).
- Wang et al. The prevalence, incidence and risk factors of medical adhesive-related skin injury in adult inpatients: A systematic review and meta-analysis. Journal of Tissue Viability. 2024;33:960-967