Die Beurteilung des Hauttons in der klinischen Praxis: Warum das Bewusstsein dafür wichtig ist

In der heutigen vielfältigen Gesundheitslandschaft ist eine gerechte Versorgung aller Patient*innen ein grundlegendes Ziel. Doch subtile Faktoren wie der Hautton können die Genauigkeit klinischer Beurteilungen und letztlich auch die Behandlungsergebnisse beeinflussen.

Das Erkennen und Bekämpfen von Vorurteilen aufgrund des Hauttons ist unerlässlich, um allen Patient*innen eine hochwertige und gerechte Versorgung zu gewährleisten. Indem medizinische Fachkräfte das Bewusstsein schärfen und Vorurteile hinterfragen, können sie dazu beitragen, dass alle Patient*innen eine gründliche und individuelle Untersuchung erhalten, die ihnen zusteht – unabhängig vom Hautton.

Den Hautton verstehen: Die wissenschaftlichen Grundlagen und ihre klinische Bedeutung

Der Hautton wird durch Melanin bestimmt, ein braunes Hautpigment. Es schützt unsere Haut, indem es schädliche ultraviolette (UV) Strahlung absorbiert. Zellen, die als Melanozyten bezeichnet werden, produzieren zusätzliches Melanin, wenn wir UV-Strahlen ausgesetzt sind. Im Allgemeinen verfügen wir - unabhängig vom Hautton - über die gleiche Anzahl an Melanozyten. Die Produktion und Konzentration von Melanin in der obersten Hautschicht (Epidermis) ist bei dunklen Hauttönen jedoch höher.¹

In der Wundversorgung und anderen klinischen Bereichen ist es von entscheidender Bedeutung, diese Unterschiede zu erkennen. Für eine genaue Beurteilung des Hautzustands ist zu berücksichtigen, dass sich die Anzeichen und Symptome von Veränderungen der Hautintegrität je nach Hautton unterschiedlich darstellen.¹

Herausforderungen für eine genaue Beurteilung des Hauttons im Gesundheitswesen

Trotz ihrer Bedeutung wird die Beurteilung des Hauttons oft übersehen oder uneinheitlich durchgeführt. Mehrere Herausforderungen tragen zu dieser Lücke bei:

Ein historischer Bildungsschwerpunkt auf hellen Hauttönen hat zu einer Wissenslücke hinsichtlich der Beurteilung und Diagnose dunkler Hauttöne beigetragen. Eine unzureichende Schulung zum Thema Hauttöne kann dazu führen, dass medizinisches Fachpersonal nicht darin ausgebildet ist, Anzeichen und Symptome bei allen Hauttönen zu erkennen.¹

In vielen Regionen der Welt kommt es aufgrund unterschiedlicher Hauttöne zu Diskrepanzen in der Wundversorgung. Hautveränderungen bei Menschen mit dunklem Hautton werden nicht früh genug erkannt, was meist auf unzureichende Hautuntersuchungen und eine mangelnde Früherkennung zurückzuführen ist.²

Wichtige Anzeichen können übersehen werden, was zu einer verspäteten Erkennung und Diagnose von Hautschäden führen kann, die für die Patient*innen potenziell schädlich sind. Die Folge sind gesundheitliche Ungleichheiten, da Menschen mit dunklem Hautton in weitaus höherem Maße falsch diagnostiziert werden oder ihre Diagnose erst in einem späten Stadium erhalten.¹

Der Einfluss von Hautton-Bias auf die Behandlungsergebnisse

Wenn der Hautton nicht angemessen berücksichtigt wird, kann dies schwerwiegende Folgen haben. In der Wundversorgung hängen die Behandlungsergebnisse von einer genauen Beurteilung und Diagnose ab.¹ Um dies zu gewährleisten, sollte jede Patient*in eine gleichwertige Hautbeurteilung erhalten.³ Dies ist jedoch nicht immer der Fall.

Jede Patient*in sollte eine gründliche Untersuchung erhalten, die auf ihren individuellen Bedürfnissen basiert. Auf den folgenden Bildern ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass die Patient*in mit dunklem Hautton keine präzise Beurteilung und Diagnose erhält.

Fotos mit freundlicher Genehmigung von Luxmi Dhoonmoon, Fachberaterin für Gewebevitalität, Central and West London, NHS Foundation Trust.

Um eine inklusive und gerechte Versorgung zu gewährleisten, können wir nicht alle Menschen gleich behandeln und bei jeder Person nach denselben Anzeichen und Symptomen suchen. Bei der Untersuchung müssen wir die individuellen Unterschiede berücksichtigen. Deshalb ist es von entscheidender Bedeutung, bei der Hautbeurteilung von Patient*innen auch den Hautton zu berücksichtigen.

Welche Hilfsmittel können eine objektive Beurteilung des Hauttons unterstützen?

In der klinischen Praxis stehen Hilfsmittel zur Verfügung, die medizinischem Fachpersonal dabei helfen, genauere und gerechtere Hautbeurteilungen vorzunehmen. Das Skin Tone Tool ist ein validiertes Klassifizierungsinstrument und eine einfache sowie kostengünstige Methode zur Beurteilung des Basis-Hauttons von Patient*innen.¹ Dies unterstützt medizinisches Fachpersonal dabei, Unterschiede im Hautton zu erkennen und zu dokumentieren, und trägt so dazu bei, dass alle Patient*innen die individuelle Versorgung erhalten, die sie benötigen.

Der Weg in die Zukunft: Bewusstsein schaffen und Veränderungen vorantreiben

Fachkräfte im Gesundheitswesen spielen eine entscheidende Rolle dabei, die Ungleichheiten zu verringern. Als Fachkräfte sind wir alle dafür verantwortlich, uns weiterzubilden und aktive Schritte in Richtung einer inklusiven und gerechten Versorgung zu unternehmen, wobei wir uns der Unterschiede im Hautton bewusst sein müssen.¹ Wir müssen auch darüber nachdenken, wie wir dazu beitragen können, das Bewusstsein zu schärfen und die Gleichberechtigung in der medizinischen Praxis zu fördern.

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Referenzen

  1. Best Practice Statement: Addressing skin tone bias in wound care: assessing signs and symptoms in people with dark skin tones. Wounds UK, London; 2021.
  2. Dhoonmoon L & Nair HKR. Wound care and skin tone made easy. Wounds International; 2023.
  3. Bowling K et al. Implementation of skin tone assessment in pressure ulcer prevention. Wounds International; 2024;15(1):10-17.